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Mein junges idiotisches Herz
Theaterstück von Anja Hilling
„D
iese Gespräche. Wo alles daneben geht. Kommen ganz plötzlich. Ohne Warnung. Und auf einmal bist du mittendrin. Und alles was du sagst kommt in irgendeinen falschen Hals.“ Deshalb besser gar nicht mit anderen sprechen? Zumindest halten es alle so in Anja Hillings Theaterstück „Mein junges idiotisches Herz“.
Karin schneidet das Telefonkabel durch und plant minutiös ihr filmreifes Ableben. Paula stöpselt sich Kopfhörer ein, macht die Klingel mit Watte stumm und ergibt sich vor dem Herd ihren Gewaltfantasien. Hans Werner wälzt sich den ganzen Tag ruhelos im Bett, weil ihm eine geheimnisvolle Tote den Schlaf raubt. Und Eugen spricht mit Fotos und abgetragenen Kleidungsstücken über seinen Traum von echter Männerliebe.
Tür an Tür wohnen Menschen, die nichts voneinander wissen, weil sie es vorziehen, sich mit ihren eigenen verstrickten Gedanken im Kreis zu drehen. Hinter den Wänden nüchterner Mietswohnungen, bauen sich die tragisch-komischen Antihelden dieses Stückes kleine Welten auf, die sie mit selbstgebastelten Problemen, Problemchen und Befindlichkeiten dekorieren. Verbissen leiden sie sich ihr allzu gewöhnliches Leben interessant.
Anja Hilling spinnt ein Netz der Alltäglichkeiten, in dessen wirren Maschen es den Bewohnern dieses Hauses schlichtweg unmöglich ist, nicht mit der Umwelt zu kollidieren. Denn schließlich müssen auch Sozialkrüppel den Müll runterbringen, einkaufen gehen, dem Postboten die Tür öffnen und ihre Wasserleitung reparieren lassen. In einem belebten Treppenhaus mit Nachbarn, die genauso kaputt sind wie man selbst, kommt man nicht umhin, sich irgendwann eine wichtige Frage zu stellen: „Bin ich selbst mein größtes Problem?“